Die SCHUNTER stromaufwärts

Landrats letzte Sommertour: Mit Rückenwind zur Mühle/

Wer geglaubt hatte, die Sommertour des Landrats sei lediglich eine gemütliche Fahrradrunde mit gelegentlichem Blick in die Landschaft, wurde auch in diesem Jahr eines Besseren belehrt. Die Tour entlang der Schunter bot alles, was eine gute Reise durch den Landkreis Helmstedt braucht: Bewegung, Natur, Fachwissen, Sonnenschein, nette Begegnungen und am Ende Bratwürste, die offenbar genau zum richtigen Zeitpunkt auf den Grill kamen.

Dabei war die Fahrt am 12. Juli keine Sommertour wie jede andere. Für Landrat Gerhard Radeck war es die letzte in amtlicher Mission. Im September wählen die Bürgerinnen und Bürger einen Nachfolger. Da durfte man die Tour durchaus als eine Art Abschiedsfahrt auf zwei Rädern verstehen – allerdings ohne Wehmut, dafür mit viel guter Laune.

Start in der Dorfmitte: Landrat und stv. Bürgermeisterin begrüßen

Kurz nach acht Uhr versammelten sich rund 50 Radfahrerinnen und Radfahrer in Räbkes Ortsmitte. Nach der Begrüßung durch den Landrat und die stellvertretende Bürgermeisterin Simone Köpnick ging es zunächst per Transport nach Wendhausen. Von dort begann der eigentliche sportliche Teil: immer der Schunter nach, zurück Richtung Heimat.

Wo die Schunter Geschichten erzählt

Wenn die Schunter die Hauptrolle spielt, sind Werner Denneberg und Tania Genge meist nicht weit. Der Vorsteher des Unterhaltungsverbandes SCHUNTER und seine Geschäftsführerin erwiesen sich einmal mehr als wandelnde Lexika des Flusses.

An mehreren Stationen wurde erklärt, wie aus einem eher geradlinigen Gewässer wieder ein naturnaher Fluss geworden ist. Die Schunter darf heute an vielen Stellen wieder Schunter sein: mit Kurven, Ufern, Rückzugsräumen für Tiere und Orten, an denen Menschen dem Wasser näherkommen können als nur auf einer Landkarte.

So wurde unterwegs nicht nur gestrampelt, sondern auch gestaunt. Und wie bei jeder guten Sommertour zeigte sich erneut: Selbst wer glaubt, seine Heimat bestens zu kennen, entdeckt immer noch eine neue Geschichte am Wegesrand.

Kühle im Versammlungsraum war Trumpf an einem heißen Tag

Die Radlerinnen und Radler schienen dabei ausgesprochen motiviert gewesen zu sein. Anders lässt sich kaum erklären, warum die Wassermühle Liesebach bereits vor 15 Uhr erreicht wurde. Das Mühlenteam nahm die frühe Ankunft gelassen. Bis auf eine Lautsprecheranlage, die kurzfristig in den Sommerschlaf gefallen war, stand alles bereit. Glücklicherweise gibt es im Mühlenverein genügend Menschen, die auch ohne Mikrofon bis in die letzte Reihe verstanden werden.

Auf dem Mühlenhof wurden zunächst Erinnerungsfotos produziert – Beweise für die erfolgreiche Bewältigung der Strecke müssen schließlich sein. Anschließend zog die Gesellschaft in den angenehm kühlen Versammlungsraum um.

Dort begrüßte Klaus Röhr als Vorsitzender des Fördervereins die Gäste und spannte den Bogen von der Rettung der Mühle im Jahr 2007 bis zu den heutigen Aktivitäten. Besonders die Mittwochsgruppe der ehrenamtlichen Rentner bekam ihre verdiente Erwähnung. Schließlich wäre manches Projekt ohne ihren regelmäßigen Arbeitseinsatz wohl noch immer ein guter Vorsatz.

Landrat Gerhard Radeck bedankte sich für den herzlichen Empfang. Es wurden Geschenke überreicht, Hände geschüttelt und Erinnerungen ausgetauscht. Auch Thomas Kempernolte wurde gewürdigt – sein Name fährt bei nahezu jeder Fahrradtour der Region gewissermaßen unsichtbar mit.

Dann kam der Moment, auf den viele insgeheim gewartet hatten: der kulinarische Teil. Die Bratwürste verschwanden in bemerkenswerter Geschwindigkeit. Von den hundert georderten Exemplaren blieben nur wenige übrig. Ein Umstand, der entweder für die Qualität der Würste sprach oder für den Kalorienverbrauch der vorherigen Stunden – wahrscheinlich für beides.

Bei Kaffee, Kuchen und kühlen Getränken entwickelte sich jene entspannte Atmosphäre, die man nicht planen kann, die aber oft entsteht, wenn Menschen gemeinsam unterwegs waren. Erst gegen 18 Uhr löste sich die Runde langsam auf.

Natives Rapsöl wechselte den Besitzer: Klaus Röhr rechts mit Landrat Gerhard Radeck

Eine kleine Beförderung stand ebenfalls noch an. Werner Denneberg ernannte Gerhard Radeck offiziell zum „Schunterfreund“ und verlieh ihm die dazugehörige Kopfbedeckung. Ob damit besondere Rechte verbunden sind, etwa bevorzugte Strömungsverhältnisse oder freie Sicht auf Wassererlebnisplätze, blieb allerdings ungeklärt.

Fest steht: Der SCHUNTER-Radweg gewinnt durch Veranstaltungen dieser Art weiter an Bekanntheit. Wer selbst auf Entdeckungstour gehen möchte, findet auf der Website „elmfreizeit“ inkl. App und Co. von Thomas Kempernolte reichlich Anregungen für Ausflüge zwischen Elm, Schunter und Lappwald.

SCHUNTER-Radweg

Ein herzlicher Dank gilt dem Regieteam der Wassermühle Liesebach, den Organisatoren des Landkreises Helmstedt sowie dem DRK Helmstedt. Sie alle sorgten dafür, dass diese Sommertour nicht nur Kilometer machte, sondern auch in bester Erinnerung bleiben wird.

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