Hinweise auf problematische Nutzung eines historischen Bahnrelikts in Schandelah“
Schandelah. Aus der Bürgerschaft sind Hinweise zur Situation rund um den Bereich eines ehemaligen Bahntunnels – im Ort häufig „Bunker“ genannt – nahe der Straße Neue Reihe eingegangen. Der Ort besitzt eine besondere historische Bedeutung.
Historischer Hintergrund
Der Tunnel diente als Durchlass für eine Lorenbahn, die das Rasenerzabbaugebiet im Bereich des heutigen großen, nicht zugänglichen Teiches am Eschernhai mit dem Schandelaher Hauptbahnhof verband.
Die Strecke verlief
– am ehemaligen Ölschieferabbaugebiet von 1914 vorbei (heute zwischen Oberkamp und Eickmarsmorgen),
– anschließend zwischen den heutigen Häusern Westerberg 19 und 23,
– und weiter in Richtung des damaligen Abbaugebietes.
Ein großer Bagger lud das geförderte Material auf kleine Loren, die auf Schienen bis zum Tunnel gefahren wurden. Dort erfolgte das Umladen auf größere Waggons, die anschließend über die Bahnstrecke weitertransportiert wurden. Diese industrielle Nutzung prägte das Gelände über viele Jahre.
Nutzung im Zweiten Weltkrieg
Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Tunnel provisorisch als Schutzraum genutzt. Die am Bahndamm gelegenen Wohnhäuser waren bei Bombenangriffen auf die Gleisanlagen besonders gefährdet. Der Tunnel bot der Bevölkerung daher einen notdürftigen Rückzugsort.
Bezüge zur NS‑Zeit
Parallel dazu existierte im Umfeld Schandelahs eine Bahnverbindung, die im Zusammenhang mit dem Außenlager des KZ Neuengamme – Schandelah Wohld stand. Diese historischen Zusammenhänge verleihen dem Ort bis heute eine besondere Sensibilität.
Aktuelle Entwicklungen geben Anlass zur Sorge
Seit längerer Zeit wird der Bereich um den ehemaligen Tunnel als Treffpunkt von Jugendlichen und jungen Erwachsenen genutzt. Zuletzt wurde beobachtet, dass der Zugang offensteht und sich im Inneren Beschädigungen, Müll und Spuren eines Brandereignisses befinden.
Besonders besorgniserregend ist das Auftauchen von Aufklebern mit verfassungsfeindlichen und extremistischen Inhalten. Damit entsteht der Eindruck, dass ein historisch belasteter Ort von einzelnen Gruppen in problematischer Weise genutzt oder vereinnahmt wird.
Bereits in der Vergangenheit kam es zu einem Feuerwehreinsatz. Die Polizei stellte damals unter anderem ein gestohlenes Ortseingangsschild sicher.
Politische Beratung und Forderungen aus der Bürgerschaft
In der jüngsten Sitzung des Ortsrates Schandelah wurde die Problematik „Treffpunkt im Bunker“ ausführlich diskutiert. Der Ortsbürgermeister hat die Gemeinde Cremlingen über die aktuellen Entwicklungen informiert.
Aus Bürgerschaft und Ortsrat werden nun folgende Maßnahmen gefordert:
- Sicherung des Geländes, um unbefugtes Betreten zu verhindern
- Beseitigung von Müll, Schäden und Brandresten
- Entfernung extremistischer Inhalte
- Prüfung einer Einbindung der zuständigen Sicherheitsbehörden
Viele Bürgerinnen und Bürger betonen, dass ein Ort, der – direkt oder indirekt – mit der Geschichte von Zwangsarbeit, Leid und industrieller Nutzung verbunden ist, nicht zum Schauplatz respektloser oder extremistischer Aktivitäten werden darf.
Schandelah steht für ein respektvolles Miteinander und einen bewussten Umgang mit seiner Geschichte.
Bildunterschrift
Von links: Hendrik Langediers, Jörg Lüllmann, Anne und Frida Stolze, Beate und Hannah Bauschke sowie Arne und Carl Lüer. (Schwarzweißbild KI generiert nach Erzählungen der Einwohner ab 1930 in Schandelah Im Bereich der Lorenbahn)
Tunnel „Bunker“

Müll:

Lorenbahn (Heute neben Oberkamp und Eisenerzabbau vor Eschernhai aus Originalbildern KI generiert



